VEGF – der Faktor für neue Gefäße

von | Jul 9, 2021 | Archiv, Grundlagen, Wirkung, Wissenswertes | 2 Kommentare

Der Wachstumsfaktor VEGF fördert das Wachstum und die Funktion der Blutgefäße. Darüber hinaus schützt VEGF das Gehirn und erhöht den Glukosetransport.

Der Körper besitzt die geniale Fähigkeit, neue Gefäße bilden zu können. Wie das geschieht, können Sie live beobachten, wenn Sie sich das nächste Mal z. B. das Knie aufschürfen. Durch die Verletzung ist die normale Blutversorgung unterbrochen. In dem verletzten Gewebe entsteht ein Sauerstoffmangel (Hypoxie). Diese Unterversorgung setzt den Prozess der Neubildung in Gang. Die Zellen in der Gefäßinnenwand (Endothel) reagieren auf die Hypoxie mit der Ausschüttung des gefäßbildenden Wachstumsfaktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor).

Die VEGF-Gruppe
Der Begriff VEGF umfasst eine ganze Gruppe von Proteinen, die ganz unterschiedliche Eigenschaften haben. Als erstes entdeckt und am besten erforscht ist VEGF-A, es folgten VEGF-B, C, D, E und F.

VEGF-A ist nicht nur am besten erforscht, er ist auch am weitesten verbreitet. Es existieren verschiedene Formen, die nach der Anzahl der Aminosäuren unterschieden werden. Alle Ausführungen in diesem Beitrag beziehen sich auf VEGF-A.

Hypoxie als Auslöser für Wachstum

Eine Hypoxie ist der stärkste Stimulator für ein Gefäßwachstum. Es ist dabei nicht von Bedeutung, ob sie lokal begrenzt ist oder ob im ganzen Körper einen Sauerstoffmangel ausgelöst wird, wie es beispielsweise bei einem Ausflug in die Berge geschieht. Sobald die Gewebezellen nicht mehr ausreichend Sauerstoff erhalten, kann der Hypoxie-Faktor HIF aktiv werden und die VEGF-Bildung anregen.

Zunächst wird das bestehende Kapillarnetz überarbeitet. Abschnitte, die eher ein passives Dasein führten, werden in das Netzwerk aufgenommen. Auch eingeschränkte Seiten- und Nebenäste von Arterien, werden aufgearbeitet. Unter dem Einfluss der Hypoxie wird ihre Muskelschicht gekräftigt und ihr Durchmesser erweitert.

Bei einem längeren Aufenthalt in den Bergen oder bei einer Intervall-Hypoxie-Kur entstehen in der Gefäßinnenwand der Arterien kleine Haargefäße. Unter dem Einfluss des VEGF lösen sich einzelne Endothelzellen aus der Gewebeschicht und bilden mit seiner Hilfe kleine röhrenförmige Ausstülpungen. Sie werden immer länger und verbinden sich an den Spitzen. Es entsteht ein intaktes Kapillarnetz, ein neuer Teil des Blutkreislaufs. Nach einer Stabilisierungsphase können die neu entstandenen Blutgefäße eigenständig zur Durchblutung beitragen.

Da das Hypoxie-Training ganzheitlich wirkt, findet die Zunahme der Kapillardichte im ganzen Körper statt, aber vor allem in geschädigten Gewebebereichen.

VEGF und das Herz
Am Herzen nimmt sich der VEGF der Herzkranzgefäße an. Er verbessert als erstes ihre Funktionsfähigkeit und erweitert das Geflecht um winzige Gefäße. Ein dichtes Netz von Herzkranzgefäßen ist der beste Schutz für das Herz. Auch wenn bereits Schädigungen vorliegen, lohnt es sich, die Versorgung z. B. mit einem Intervall-Hypoxie-Training zu verbessern. Der Herzmuskel kann trotz verkalkter Gefäße versorgt werden. Beschwerden wie schmerzhafte Angina pectoris-Anfälle treten seltener auf. Vom Zustand der Gefäße hängt auch ab, wie gut ein Herzinfarkt überwunden werden kann, beziehungsweise, ob noch ein weiterer folgt.

VEGF und das Gehirn
Der VEGF kommt im ganzen Gehirn vor. Die höchste Konzentration findet man im Hypothalamus, der wichtigsten Steuerzentrale im Gehirn.

Im Gehirn übernimmt der Wachstumsfaktor noch andere Aufgaben. Neben seiner Wirkung auf das Wachstum und die Funktion der Blutgefäße reguliert VEGF die Blut-Hirn-Schranke und schützt so das Gehirn vor einem Energiemangel.

Von der Blut-Hirn-Schranke wird kontrolliert, was ins Gehirn gelangen kann. Sie besteht aus Endothelzellen, die so eng beieinander liegen, dass fast nichts durchkommt. Mit speziellen Transportproteinen in der Zellmembran werden Zuckermoleküle ins Innere geschleust. Ganz geklärt ist die Wirkung des VEGF noch nicht, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit reguliert er, wieviel Transportproteine die Blut-Hirn-Schranke passieren dürfen. Droht dem Gehirn ein Energiemangel, erhöht sich die Konzentration des VEGF. Dadurch wird die Blut-Hirn-Schranke durchlässiger und Nährstoffe können sie schneller passieren. Unter dem Einfluss des VEGF steigt die Durchlässigkeit für Zuckermoleküle bis auf das Dreifache an. In diesem Fall wäre eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) der Auslöser für die Bildung des VEGF.


2 Kommentare

  1. wie soll man bei einer Herzinsuffizienz (Bsp.: LVA von 40%, leichte bis mittelschwere Mitralklappenpinsuffizienz & amp; pro BNP von 1000)
    mit einem IHT einsteigen?

  2. Sehr geehrte Hypoxie-Interessentin,

    wenn Ihr Patient belastbar ist und moderate körperliche Übungen machen darf, kann er bedenkenlos mit einem Intervall-Hypoxie-Training (IHT) beginnen. Um den Einstieg sanft zu gestalten, empfehle ich, das Hypoxie-Intervall zu Beginn des IHT mit einem Normoxie-Intervall abzuwechseln. Dabei sollte die Sauerstoffsättigung im Blut einen Zielwert von 85 bis 90 Prozent haben. Eine mögliche Vorgehensweise wäre, 3 bis 4 Minuten Hypoxie gefolgt von 5 bis 6 Minuten Normoxie, wiederholt drei- bis viermal im Wechsel.

    Es ist wichtig, dass ein Patient mit diesen Ausgangswerten das IHT immer unter fachlicher Begleitung durchführt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. med. Egor Egorov

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