Nur starke Mitochondrien trotzen Krankheiten

von | 8.08.2022 | Archiv, Grundlagen, Wirkung | 0 Kommentare

Von der Energiegewinnung in den Mitochondrien hängt ab, wie schnell der Mensch altert und ob er gesund oder krank ist. Doch die Leistung der Mitochondrien wird von vielen Faktoren beeinflusst.Mitochondrien sind die Energieproduzenten in unserem Körper. Als „Mini-Kraftwerke“ bilden aus den angelieferten Nährstoffen mit Hilfe des eingeatmeten Sauerstoffs einen ganz besonderen Treibstoff: das Adenosintriphosphat, kurz ATP. Von diesem Stoff hängt unser ganzer Organismus und unser Leben ab. Oder anders gesagt: ATP ist bei jedem physiologischen Prozess notwendig –doch ohne Mitochondrien keine Energie und kein ATP. Und ohne ATP kein Leben.

Ohne diesen Energieträger wäre weder Stoffwechsel noch Zellerneuerung, weder Verdauung noch Konzentration möglich. Der tägliche Auf- und Abbau von ATP entspricht in etwa unserem Körpergewicht, wobei die körpereigene Energieproduktion von der Qualität der Mitochondrien abhängt. Sind diese jung und gesund leisten sie mehr als alte und schwache Exemplare. Zudem entscheidet ihre Menge darüber, wie viel Energie dem Körper zur Verfügung steht.

Dabei muss man wissen: Alle zehn bis zwanzig Tage teilen und vermehren sich die Mitochondrien. Das mitochondriale Erbgut verteilt sich mal mehr oder weniger und gerne auch mal ungleichmäßig auf die entstehenden „neuen“ Mitochondrien. Nach welchen Regeln die Verteilung geschieht, ist noch nicht ganz geklärt. Leider vermehren sich vor allem die Exemplare mit einem beschädigten Erbgut. Wird nicht eingegriffen, steigt der Anteil der geschädigten und altersschwachen Exemplare immer weiter an.

Wie freie Radikale zum Übeltäter werden

Lange Zeit wurden die freien Radikalen primär mit dem Altern und dem Tod in Verbindung gebracht. Zu Unrecht: Tatsächlich braucht unser Immunsystem freie Radikale, um Eindringlinge wie Bakterien und Viren abzuwehren. Auch Krebszellen können von ihnen unschädlich gemacht werden. Sie wahllos herunter zu regeln, wäre demnach unklug. Für einen gesunden Körper stellt die „Entschärfung“ der freien Radikale denn auch kein Problem dar. Zur Belastung werden sie erst, wenn dem Körper nicht ausreichend Radikalenfänger, wie zum Beispiel Antioxidantien und Schutzenzyme, zur Verfügung stehen.

Die Menge der freigesetzten Radikale hängt vom Zustand der Mitochondrien ab. Denn „ältere Modelle“ oder solche mit „schadhaftem“ mitochondrialem Erbgut produzieren letztlich immer weniger Energie – setzen zugleich aber mehr Schadstoffe, sprich freie Radikale, frei. Diese lassen die sowieso schon schlechter arbeitenden Mitochondrien noch schneller altern. Die „Mini-Kraftwerke“ ​ sind nicht mehr voll funktionsfähig, die Energieproduktion sinkt kontinuierlich ab. Hinzu kommt, dass ein Lebensstil mit viel Stress, wenig Bewegung, falscher Ernährung sowie einige Medikamente, Umweltgifte und das Alter die Entstehung der freien Radikale noch beschleunigen können.

Steigt der Anteil beeinträchtigter Mitochondrien dann immer weiter an, erhöht sich das Risiko, ernsthaft zu erkranken.

Schwache Mitochondrien als Ursache für Krankheiten

Erst wenn schon gut 40 Prozent des mitochondrialen Erbguts geschädigt ist, nimmt unsere körperliche und geistige Belastbarkeit spürbar ab. Unerklärliche Müdigkeit und Erschöpfung sind solche Anzeichen, dass in den „Mini-Kraftwerken“ unserer Zellen schon länger die Energieproduktion „hakt“. Zu den auftretenden Erkrankungen gehören etwa Allergien, Diabetes-Typ-2, Fettleibigkeit, Arteriosklerose, Herzinfarkt, Bluthochdruck oder Alzheimer. Auch Migräne und Darmerkrankungen sind Krankheitsbilder, die in der Medizin heute unter dem Begriff mitochondriale Dysfunktion aufgeführt werden.

Dieses Wissen um die lebenswichtige Bedeutung der Mitochondrien hat mit der mitochondrialen Medizin inzwischen einen neuen Zweig der Heilkunde entstehen lassen. Hierunter werden alle Erkrankungen und Alterungsprozesse zusammengefasst, die entscheidend von einer Mitochondrien-Störung beeinflusst werden.

Das Programm für starke Mitochondrien

Unser Körper hat nämlich ein natürliches „Reinigungsprogramm“, um den Folgen schadhafter Zellen entgegen zu wirken: die Apoptose (von griechisch apoptōsis, das Abfallen). Dahinter verbirgt sich ein natürlicher Vorgang, bei dem einzelne „systemstörende“ Zellen (oder eben Zellorganellen wie die Mitochondrien) zum Schutz der anderen planmäßig zerstört werden. Sozusagen ein kontrollierter Selbstabbau. Er wird von der Zelle selbst durchgeführt, sie verstoffwechselt sich quasi selbst. Es bleibt nichts von ihr übrig, alle Spuren werden sofort beseitigt.

Die gute Nachricht: Jeder kann seinen Mitochondrien etwas Gutes tun. Fastenkuren, sportliche Betätigung und das Intervall-Hypoxie-Training sind deshalb so wirkungsvoll, weil sie die Apoptose anregen und so zu einer Verjüngung der Mitochondrien führen.

 

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