Die Atemmaske beeinflusst den SpO₂-Anstieg

von | Mai 30, 2024 | Archiv, Grundlagen, Nachgefragt, Praxis, Wirkung | 0 Kommentare

Bei manchen Anwendern steigen die SpO2-Werte in der Normoxiephase nicht ausreichend an. Die Ursache kann die Atemmaske sein. Eine australische Studie hat den Einfluss der Atemmaske untersucht.

Es ist üblich, dass die Atemmaske während des gesamten Intervall-Hypoxie-Trainings (IHT) getragen wird. Wenn die Hypoxiephase mit einer Hyperoxiephase abwechselt wird, dann muss ohnehin durchgehend eine Atemmaske getragen werden. Ganz anders verhält es sich bei einem Wechsel mit einer Normoxiephase. Hier kann die Atemmaske abgenommen und Raumluft eingeatmet werden, auch wenn das Hypoxiegerät ein Atemluftgemisch anbietet, was dem normalen Sauerstoffgehalt von 20,95 Prozent entspricht.

Bestimmt sorge ich jetzt bei einigen Lesern für Verwirrung mit meiner Empfehlung, die Atemmaske während der Normoxiephase abzusetzen. Aber die Studienlage gibt mir recht. Die Atemmaske durchgehend zu tragen, kann die Wirkung des IHT reduzieren. Manche Anwender erreichen nach dem Abfall in der Hypoxiephase nicht mehr die Ausgangswerte ihrer Sauerstoffsättigung im Blut (SpO2). Es findet kein „sauberer“ Intervallwechsel statt. Die Reoxigenierungsphase wird nicht komplett abgeschlossen, weil es die Maske erschwert.

Die Studienlage zum Tragen einer Atemmaske

In den meisten Studien wird die Hypoxiephase in der Regel mit einer Normoxiephase abgewechselt. Während der Normoxiephase wird die Maske immer abgesetzt und Raumluft geatmet. Deshalb kamen australische Forscher auf Idee, den Einfluss der Atemmaske auf den SpO2-Anstieg in der Normoxiephase in einer Studie zu untersuchen. Der Atemwiderstand war beim Atmen über die Atemmaske 2,5 bis 4,5-mal höher als wenn normale Raumluft ohne Atemmaske eingeatmet wurde. Die Atemmaske führte zu einer veränderten Durchblutung in der Lunge. Der Gasaustausch wurde dadurch gestört. Bei vielen Teilnehmer erreichte die SpO2 deshalb in der Normoxiephase nicht wieder die Ausgangswerte.

Der Umgang mit der Atemmaske im Praxisalltag

In der Praxis sollte der Therapeut beobachten, ob bei den einzelnen Anwendern in der Normoxiephase die SpO2 wieder auf die Ausgangslage ansteigt. Falls nicht, sollte ausprobiert werden, ob das Abnehmen der Atemmaske hilft.

Die Abnahme der Atemmaske erfordert während der Normoxiephase etwas Umdenken. Am einfachsten gelingt der Wechsel, wenn die Atemmaske nicht fixiert, sondern während des gesamten Trainings mit der Hand gehalten wird. Ich empfehle für das Training einen bequemen Sessel mit gepolsterten Armstützen und eine Sportmaske. Die Armstützen erleichtern das Halten der Maske, weil man sich aufstützen kann. Bei Sportmasken sind die Verbindungsstücke mit dem Atemschlauch etwas länger und können leichter bzw. tiefer gehalten werden.

Bei Hypoxiegeräten, die die einzelnen Phasen durch wechselnde Farblichter anzeigen, sollte es kein Problem sein, die Atemmaske zum richtigen Zeitpunkt an- und abzulegen. Unproblematisch ist es auch bei Geräten, die über einen Tablet-PC gesteuert werden. Anwender können den Trainingsverlauf beobachten und, wenn sie ein paar Erklärungen erhalten haben, entsprechend selbständig reagieren.

Es wäre bestimmt falsch, nur wegen des eventuell hilfreichen Maskenwechsels die Normoxiephase nicht mehr anzuwenden und immer eine Hyperoxiephase durchzuführen. Es sollte immer bedacht werden, dass nach einer Hypoxiephase eine Hyperoxiephase eine weitere Belastung für den Körper darstellt. Für Patienten mit einem eingeschränkten Allgemeinzustand ist die oxidative Belastung zu hoch. (Mehr zu dem Thema finden Sie in meinen Blogbeitrag „Was ist besser – Normoxie oder Hyperoxie?“.)

Ein praxisgerechter Kompromiss für die betroffenen Anwender ist für mich eine Hyperoxiephase mit nur 25 Prozent Sauerstoffanteil. Sie ist laut Expertenmeinung physiologisch unbedenklich, weil ihr Reiz angemessen schwach ist.

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