Erythropoetin – EPO sorgt für rote Blutkörperchen und mehr

von | 18.07.2021 | Archiv, Grundlagen, Wirkung, Wissenswertes | 0 Kommentare

Erythropoetin löst die bekannteste Wirkung des Hypoxie-Trainings aus: Es fördert die die Bildung von roten Blutkörperchen, aber das ist noch nicht alles. Viele Menschen kennen das Hormon Erythropoetin durch die Skandale im Profisport. Mit der Abkürzung EPO wurde es in den 1990er Jahren als Dopingmittel bekannt. Für Trainer und Sportler war es interessant, weil es die Bildung neuer roter Blutkörperchen aus den Stammzellen im Knochenmark fördert. Mehr rote Blutkörperchen bedeuten, dass mehr Sauerstoffmoleküle pro Herzschlag transportiert werden können. Die verbesserte Sauerstoffversorgung wirkt sich unmittelbar auf die körperliche Leistungsfähigkeit aus. Es kann länger und härter trainiert werden, weil die Muskeln nicht so schnell übersäuern. Um mehr rote Blutkörperchen zu erzeugen, braucht der Körper keine unerlaubten Mittel aus dem Labor. Ein leichter Sauerstoffmangel, wie bei einem Intervall-Hypoxie-Training , führt auf ganz natürliche Weise zur vermehrten Bildung von Hämoglobin bzw. Erythrozyten.

Die Bildung von Erythropoetin

Erythropoetin wird zu 85 bis 90 Prozent in der Niere und zu 10 bis 15 Prozent in der Leber gebildet. Beim ungeborgenen Kind ist das Verhältnis umgekehrt. Die Bildung von EPO findet in einem sehr geringen Umfang auch im Gehirn, in der Gebärmutter, den Hoden und der Milz statt. Bei einem niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut oder wenn zu wenig rote Blutkörperchen vorhanden sind, wird von der Nierenrinde vermehrt Erythropoetin gebildet. Von dort gelangt es über den Blutkreislauf zu seinem Wirkungsort. Individuelle Schwankungen gibt es bei der EPO-Bildung nicht. Es bestehen keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern hinsichtlich der Wirkung, wenn die EPO-Konzentration im Blut ansteigt. Bemerkenswert sind die Tagesschwankungen, denn es gibt einen Tiefpunkt in den Morgenstunden.

Die Wirkung von Erythropoetin

Am längsten ist die Wirkung des Erythropoetins auf die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) bekannt. Ein gesunder Mensch bildet pro Sekunde etwa 3 Millionen neue rote Blutkörperchen. Über die Blutbahn gelangt Erythropoetin in das Knochenmark, um dort die Bildung der Erythrozyten aus den Stammzellen anzuregen – die sogenannte Erythropoiese. Dieser Prozess wird von verschiedenen Hormonen unterstützt. Testosteron ist eines davon. Es fördert das Heranreifen der Blutzellen im Knochenmark und liefert die Erklärung, warum Männer mehr rote Blutkörperchen haben als Frauen. Der Hämatokrit- und Hämoglobinwert von Männern ist deshalb höher. Bei einem akuten EPO-Anstieg, wie beispielsweise bei einem Intervall-Hypoxie-Training oder einem Aufenthalt in den Bergen, dauert es drei bis vier Tage, bis sich im Knochenmark mehr junge rote Blutkörperchen gebildet wurden und ins Blut gelangen. Die Bildung neuer roter Blutkörperchen ist nicht die einzige Aufgabe von Erythropoetin. Im ganzen Körper befinden sich Zellen, die einen EPO-Rezeptor haben. Sie reagieren ganz unterschiedlich auf das Hormon Erythropoetin. Einige Nerven- und Herzmuskeln schützt EPO beispielsweise vor dem Absterben. Im Gefäßsystem reagieren die Endothelzellen ganz ähnlich wie die Stammzellen im Knochenmark. Es bilden sich neue Zellen, die sich an der Reparatur von Gefäßschäden und der Gefäßneubildung beteiligen.

Hoffnungsträger in der Medizin

In der Medizin ist das einstige Dopingmittel EPO mittlerweile zum Hoffnungsträger gegen eine Vielzahl von schweren Krankheiten geworden. Es laufen Untersuchungen zu Alzheimer und Parkinson sowie zur Regeneration nach einem Herzinfarkt und Schlaganfall. Es gibt Hinweise, dass Erythropoetin Menschen auch vor einem tödlichen Krankheitsverlauf einer Coronavirus-Infektion bewahren kann. Das macht das Hypoxie-Training für die Medizin immer interessanter, weil es die EPO-Bildung auf natürliche Weise erhöhen kann. Zu den Dopingmitteln zählt das Hypoxie-Training aber nicht.

Das könnte Sie auch interessieren:

VEGF – der Faktor für neue Gefäße

 


0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Gibt es eine schnelle Alternative zum Hypoxie-Test?

Mit dem Hypoxie-Test wird die Reduzierung des Sauerstoffanteils in der Atemluft für das Intervall-Hypoxie-Training (IHT bzw. IHHT) bestimmt. In der Praxis wird der Test oft umgangen, weil er Zeit kostet und den Trainingsstart verzögert. Es gibt eine Alternative, die...

Die Bedeutung der richtigen Atemtechnik beim IHT

Die Atemweise des Patienten trägt zur Wirksamkeit des Intervall-Hypoxie-Trainings (IHT bzw. IHHT) bei. Doch nicht nur während der Anwendung ist sie von Bedeutung – auch im Alltag hat die Art und Weise, wie wir atmen, einen maßgeblichen Einfluss auf die Gesundheit....

IHT bei Diabetes

Mit einem Intervall-Hypoxie-Training (IHT) kann eine Diabetiker-Karriere aufgehalten werden. Vor allem Typ-2-Diabetiker profitieren von der Hypoxiewirkung. IHT verbessert den gestörten Glukosestoffwechsel und reduziert die Insulinresistenz. Ich empfehle jedem...

Noch mehr Entspannung: IHT mit Atemtraining kombiniert

Intervall-Hypoxie-Training (IHT) und Atemübungen sind eine geeignete Kombination gegen Stresssymptome. Ein IHT ist sehr entspannend und kann die Stressresistenz erhöhen. Sogenannte Biofeedback-Geräte oder Atemtrainer können die Anwendung des IHT erleichtern und...

Wann und wie erhöhe ich die IHT-Belastung?

Ein Intervall-Hypoxie-Training (IHT) wirkt nur effektiv, wenn die Einstellungen immer wieder an den aktuellen Trainingszustand angepasst werden. Es gibt klare Anzeichen und Regeln, die als Entscheidungskriterien dabei helfen, die Belastung beim IHT zu erhöhen. Ein...


[addtoany]
Neuste Blogbeiträge
IHT bei Diabetes

IHT bei Diabetes

Mit einem Intervall-Hypoxie-Training (IHT) kann eine Diabetiker-Karriere aufgehalten werden. Vor allem Typ-2-Diabetiker profitieren von der Hypoxiewirkung. IHT verbessert den gestörten...

mehr lesen